Artikel: Nationale Kontaktstelle Deutschland TSI Telematik
Die Nationale Kontaktstelle Deutschland für die TSI Telematik National Contact Point (NCP) unterstützt die Akteure des deutschen Bahnsektors bei der Umsetzung der EU‑Verordnung (EU) 2026/253 über die technische Spezifikation für das Teilsystem ‚Telematik‘ (TSI TEL) im europäischen Eisenbahnsystem. Sie fördert die einheitliche Anwendung der europäischen Anforderungen an digitale Daten‑, Informations‑ und Kommunikationsprozesse im nationalen Eisenbahnsystem und vertritt die Interessen des deutschen Bahnsektors in den europäischen Abstimmungs‑ und Weiterentwicklungsprozessen.
Der NCP handelt dabei im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr (BMV). Die rechtliche Grundlage zur Einrichtung einer Nationalen Anlaufstelle für alle Bahnakteure ergibt sich aus der EU‑Verordnung (EU) 2026/253. Das BMV hat für Deutschland die DB InfraGO AG mit der Einrichtung und Wahrnehmung dieser Funktion betraut.
Die Aufgaben des NCP:
- Vertretung des EU-Mitgliedstaates Deutschland in der Arbeitsgruppe der Eisenbahnagentur der europäischen Union (ERA) „Telematik“
- Informationsschnittstelle zwischen Europäischer Kommission, Eisenbahnagentur der europäischen Union, RailNetEurope (RNE), nationalen Behörden / Verbänden sowie deutschen Bahnakteuren
- Unterstützung deutscher Bahnakteure bei der Umsetzung von TSI Telematik
- Förderung Informationsaustausch unter den deutschen Bahnakteuren
- Koordinierung der Umsetzungspläne der Infrastrukturbetreiber mit dem Ziel einer abgestimmten Einführung
Informations- und Austauschmeeting des NCP:
Der NCP lädt viermal im Jahr zur Sitzung der Sektorgruppe TSI Telematik Deutschland ein. In diesen Treffen informiert der NCP über aktuelle Entwicklungen zur TSI Telematik auf europäischer und nationaler Ebene.
Die vierteljährlichen Meetings dienen zugleich als zentrale Austauschplattform für alle nationalen Stakeholder. Sie bieten Raum für Vernetzung, fachlichen Dialog und den regelmäßigen Erfahrungsaustausch rund um die Umsetzung der TSI Telematik.
Die Teilnahme steht sämtlichen Bahnakteuren in Deutschland offen, die von der TSI Telematik betroffen sind.
Sie möchten teilnehmen?Kontaktieren Sie den NCP, um in den Verteiler aufgenommen zu werden und Einladungen zu künftigen Meetings zu erhalten.
Termine und Formate
- Bekanntgabe der Termine:in der Regel 3 bis 6 Monate im Voraus
- Durchführung:3 Online‑Meetings pro Jahr1 Präsenzmeeting in Frankfurt am Main
Was ist eigentlich TSI Telematik?
Die TSI Telematik ist die technische Spezifikation für das Teilsystem „Telematik“ des europäischen Eisenbahnsystems (TSI TEL) und wird durch die EU-Verordnung (EU) 2026/253 festgelegt. Sie regelt die Interoperabilität der digitalen gemeinsamen Datennutzung im Schienenverkehr und definiert die Standards für alle relevanten Informations‑, Kommunikations‑ und Datenprozesse.
Die EU‑Verordnung (EU) 2026/253 bildet die Grundlage für ein einheitliches digitales Ökosystem im europäischen Bahnverkehr. Sie harmonisiert Verfahren, Datenmodelle, technische Schnittstellen und Nachrichtenprozesse entlang der gesamten planerischen und betrieblichen Wertschöpfungskette – von der Fahrplanung über den operativen Betrieb bis hin zu Fahrgastinformation und Buchungssystemen.
Nach dem Prinzip „eine Daten‑ und Prozesssprache für alle“ sorgt die neue TSI dafür, dass der Informationsaustausch im Eisenbahnsystem europaweit digital, strukturiert und interoperabel erfolgt. Harmonisierte Nachrichtenformate und definierte digitale Dienste ermöglichen eine einheitliche Kommunikation bei:
- der Anmeldung, Planung und Vergabe von Trassen,
- dem Austausch von betrieblichen Meldungen und Echtzeitinformationen,
- Prozessen im Fahrgastinformations‑ und Vertriebssystem,
- der Koordination zwischen Eisenbahnunternehmen, Infrastrukturbetreibern und Serviceeinrichtungen.
Damit schafft die TSI Telematik einen durchgängig digitalen und abgestimmten Informationsfluss im Güter‑ und Personenverkehr und bildet das Fundament für die europäische Bahn‑Digitalisierung.
Rechtliche Grundlagen
Übergeordnete Ziele der TSI Telematik (TSI TEL)
Unter dem Dach der Interoperabilitätsrichtlinie (EU) 2016/797 existieren mehrere EU-Verordnungen, die sogenannten Technischen Spezifikationen für Interoperabilität (TSI). Deren vollständige Umsetzung führen zur Interoperabilität zwischen den verschiedenen Eisenbahnnetzen und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Eisenbahnraums. Die TSI Telematik ist ein Bestandteil dieser Regelungen und zahlt direkt auf dieses Ziel ein.
1. Sicherstellung der digitalen Interoperabilität im europäischen Eisenbahnsystem
Die TSI Telematik verfolgt das Ziel, einen einheitlichen digitalen Standard für Daten- und Informationsprozesse zu schaffen, sodass alle Akteure europaweit kompatibel zusammenarbeiten können – unabhängig von Land, Betreiber oder IT‑System.
2. Harmonisierung von Datenmodellen, Prozessen und Schnittstellen
Durch klar definierte Datenformate, Nachrichtenstrukturen und digitale Dienste wird eine gemeinsame Sprache für Fahrplanung, Betrieb, Reisendeninformation und Vertrieb geschaffen.
3. Verbesserung der Betriebsqualität und Effizienz
Die TSI gewährleistet, dass betriebliche Informationen verlässlich, strukturiert und in Echtzeit ausgetauscht werden. Dies erhöht Stabilität, Transparenz, Reaktionsgeschwindigkeit und einen effizienten Ressourceneinsatz im Bahnverkehr.
4. Stärkung der Fahrgastinformation und des grenzüberschreitenden Reisens
Die TSI ermöglicht konsistente, europaweite Informationen und durchgängige Ticketing‑Prozesse – ein entscheidender Baustein für eine attraktive, vernetzte Mobilität in Europa.
5. Förderung der Digitalisierung und Modernisierung des Bahnsektors
Die TSI TEL schafft eine verbindliche Grundlage für die zukunftssichere digitale Transformation des europäischen Bahnverkehrs und erleichtert Innovationen wie:
- automatisierte Betriebsprozesse
- KI‑gestützte Planungssysteme
- Einheitliche Stammdatensysteme und -nutzung
6. Stärkung des Wettbewerbs und des Marktzugangs
Einheitliche digitale Anforderungen reduzieren Markteintrittsbarrieren und fördern faire Wettbewerbsbedingungen für alle Eisenbahnunternehmen und Serviceeinrichtungen.
7. Ermöglichung eines transparenten und skalierbaren Datenökosystems
Durch gemeinsame Register, Referenzdaten und Governance‑Mechanismen wird ein strukturierter, nachvollziehbarer und erweiterbarer Datenraum für den gesamten Schienenverkehr geschaffen.
Was sind die Vorteile von TSI Telematik?
Die TSI Telematik bringt spürbare Vorteile durch europaweit einheitliche, digitale Datenaustauschprozesse.
Gesamtvorteile
- Einheitliche, standardisierte Schnittstellen statt vieler bilateraler Lösungen – weniger Komplexität und Kosten
- Verbesserte Datenqualität durch gemeinsame Referenzdaten und eindeutige Identifikatoren
- Mehr Echtzeitdaten (Status, Abweichungen, Prognosen) führen zu besseren operativen Entscheidungen
- Schnellere, papierärmere Prozesse und weniger manuelle Nacharbeiten.
- Bessere Interoperabilität über Länder‑ und Netzgrenzen hinweg – besonders relevant für interoperable Verkehre
- Klarer Compliance‑Rahmen
Spezifische Vorteile und stärkere Kundenorientierung im Personenverkehr:
- Durchgängige Fahrgastinformation in Echtzeit (Verspätungen, Anschlussprognosen, Wagenreihung) über Anbietergrenzen hinweg
- Verbesserte Buchungs-, Tarif- und Reservierungsdatenflüsse – Grundlage für durchgehendes Ticketing und Vertrieb über Dritte
- Konsistente Störungs- und Umleitungsinformationen für präzisere Kundenauskunft und proaktive Betreuung
- Bessere Unterstützung besonderer Services (z. B. Mobilitätshilfe) durch standardisierte Anfragen und Bestätigungen
- Weniger Medienbrüche zwischen Vertrieb, Betrieb und Kundenservice; effizientere Bearbeitung von Ansprüchen
Spezifische Vorteile im Güterverkehr
- Sendungen, Züge und Wagen können entlang der gesamten Logistikkette jederzeit verfolgt werden
- Prognostische ETA/ETI (Ankunftsprognose/Ankunftsprognose am Übergabepunkt) und qualifizierte Abweichungsmeldungen – bessere Planung für Verlader, Terminals und Spediteure, Logistikprozesse können besser aufeinander abgestimmt werden
- Reduktion papierbasierter Prozesse (z. B. Begleitdokumente) und geringere Fehlerquote bei Stammdaten
- Fundierte operative KPIs und Qualitätsmessung entlang internationaler Korridore
Operative und technische Effekte
- Einführung einheitlicher IT-Standards ermöglichen gemeinsame Geschäftsprozesse und vernetzte Systeme zum nahtlosen digitalen Austausch von Informationen und Dokumenten (Frachtbrief, Zolldokumente, Trassenanmeldung und Betriebsdurchführung)
- Wiederverwendbare, dokumentierte spezifische Schnittstellen (APIs) und Nachrichtenformate erleichtern Integration und Wartung
- Gemeinsame Referenzdaten (Infrastruktur, Fahrzeuge, Betriebsstellen, Organisationen) vermeiden Dubletten und Inkonsistenzen
- Tagesgenaue, grenzüberschreitende Identifikation von Zug und Trasse; klare Objekttrennung vereinfacht den internationalen Betrieb
- Bessere Kapazitäts‑ und Dispositionsentscheidungen sowie Ressourcensteuerung durch frühere und verlässlichere Daten (Echtzeitdaten)
- Bessere Vernetzung der einzelnen Verkehrsträger
- Skalierbarkeit für neue Partner, Relationen und Use Cases ohne proprietäre Sonderwege
Strategische und Compliance‑Vorteile
- Erfüllung von EU‑Pflichten als Voraussetzung für grenz- und netzüberschreitenden Betrieb und Netz-/Korridorzugang
- Investitionsschutz durch Standardkonformität; weniger Vendor-Lock-in (Anbieterabhängigkeit)
- Grundlage für weitere Digitalisierungsinitiativen (Analytics, Prognosen, Automatisierung)
Was wird konkret geregelt?
- Datenformate
- Schnittstellen für den Informationsaustausch (Common Interface, Web UI)
- Ablauf und Abfolge von Meldungen (z.B. Zugzusammensetzung, Fahrplanung, Betrieb)
- Anforderungen an Systeme und Software
Wer ist von TSI Telematik betroffen?
Zu den „Telematics Stakeholdern“ zählen alle Marktteilnehmer im Eisenbahnsektor, die vom Anwendungsbereich dieser TSI erfasst sind und interoperabel am Transport von Gütern oder Passagieren vom Abfahrts- bis zum Zielort beteiligt sind.Dazu zählen:
- Infrastrukturbetreiber
- Eisenbahnverkehrsunternehmen (Personen & Güter)
- Bahnhofsbetreiber
- Betreiber von Serviceeinrichtungen (See-/Binnenhäfen & Intermodal Terminals)
- Wagenhalter
- Intermodale Transportunternehmen & Logistikunternehmen
- Verlader
- Befüller
- Ticketverkäufer (Retailer, Distributoren, Issuer)
- Öffentliche Stellen
- und weitere an der Transportkette beteiligte Telematics Stakeholder
Was regelt der vertriebliche Teil der TSI Telematik?
Der Retailbereich der TSI Telematik regelt EU-weit einheitliche Standards für den Datenaustausch im Vertrieb, Ticketing und bei Fahrgastinformationen im Schienenpersonenverkehr und definiert Nachrichtenformate für Sitzplatzreservierungen, Fahrpreise, Tarife sowie Anschlussverbindungen, um den grenzüberschreitenden Ticketverkauf zu vereinfachen. Der NCP unterstützt die Branche bei der Umsetzung.
Wesentliche Regelungsinhalte des Retailbereichs:
- Vertrieb und Ticketing: Definition von Formaten für den Verkauf von Fahrkarten und Reservierungen (auch Fahrradstellplätze).
- Tarifdaten: Einheitliche Bereitstellung von Fahrpreisen und Tarifstrukturen.
- Fahrgastinformation: Standards für Echtzeitdaten, Anschlussverbindungen und Fahrplaninformationen.
- Datenaustausch: B2B-Kommunikation zwischen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) zur Verbesserung der Interoperabilität.
- Der NCP für den Retailteil der TSI Telematik fungiert als Anlaufstelle für Bahnakteure, fördert den Informationsaustausch und unterstützt die Implementierung der EU-Verordnung 2026/253 sowie der noch zu veröffentlichenden Nachfolgeverordnung.
Aktuelles & Termine
Neue TSI für Telematikanwendungen in Kraft getreten
Am 02. März 2026 ist die neue Technische Spezifikation für Interoperabilität (TSI) im Bereich Telematikanwendungen in Kraft getreten. Die Durchführungsverordnung (EU) 2026/253 löst damit die bisherigen Durchführungsverordnungen (EU) 1305/2014 (TAF TSI) und 454/2011 (TAP TSI) ab. Mit der TSI Telematik verschmelzen die bisherigen Rechtsakte zu TAF und TAP TSI zur TSI Telematik (TEL TSI).
Für die Akteure des Eisenbahnsektors ergeben sich daraus insbesondere folgende Änderungen:
- Erweiterter Anwendungsbereich: Die neue TSI bezieht zusätzliche Marktteilnehmer ein, insbesondere Betreiber von Serviceeinrichtungen im Schienengüterverkehr. Damit wird die „First and Last Mile“ in die digitale Kommunikationskette integriert und eine durchgängige Nachverfolgung von Gütern über die gesamte Logistikkette ermöglicht.
- Deutlich stärkere Datenausrichtung: Im Vergleich zu TAF/TAP stehen die Nutzung, Bereitstellung und gemeinsame Verwendung von Daten noch stärker im Vordergrund. Ein harmonisiertes Datenmodell schafft die Grundlage für mehr Interoperabilität im europäischen Bahnsektor.
- Höhere Anforderungen an Datenqualität und -sicherheit: Neue Vorgaben betreffen insbesondere Datenqualität, Verfügbarkeit und Cybersicherheit, um einen zuverlässigen und vertrauenswürdigen Datenaustausch sicherzustellen.
- Weiterentwicklung im Personenverkehr: Im Bereich Reisendeninformation und Ticketing werden unter anderem dynamische Preismodelle sowie standardisierte Spezifikationen für Tarifdaten, Angebote und Buchungsprozesse stärker berücksichtigt.
- Mehr Transparenz und strukturierter Datenaustausch: Die neue TSI definiert klarere Rahmenbedingungen für den Nachrichtenaustausch und fördert ein umfassenderes Teilen von Informationen zwischen den Beteiligten.
- Gestärkte Rolle der ERA und verbindlichere Umsetzung: Die Eisenbahnagentur der Europäischen Union (ERA) wird in ihrer Funktion als „System Authority“ deutlich gestärkt. Künftig wird die Umsetzung der TSI verbindlicher gestaltet, unter anderem durch die Nachverfolgung von Umsetzungsplänen, die Prüfung der Konformität von IT-Systemen mit den Vorgaben der Verordnung sowie durch klar definierte Meilensteine für die Implementierung.
Insgesamt zielt die neue TSI Telematik darauf ab, die Digitalisierung des Bahnsektors zu beschleunigen und eine offene, interoperable Datenarchitektur zu etablieren. Dadurch sollen Effizienz, Wettbewerbsfähigkeit und die Integration in multimodale Transportketten weiter gestärkt werden.
Kund:inneninformation Umstellung Company Code auf Organisation Code ab 1. Januar 2026
Präsentation: Organisation Code: Umstellung von CC auf OC
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